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https://archive.org/details/derevangelischek02wint

_ (* JUN U 1S09

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fein SBettyaltnifj

jur

bargcftellt

Breiter $$eil: £>er coongelifdje Äird)cngefang im fiebjefmtm 3af>rf)unberte.

£>rucf unb SSerlag üon SSreitfopf unb £ärtel.

3$ o r r e d c+

ÜSer eine gerichtliche ©arjtellung Beginnt, v>on bem ift freiließ ju ertoarten , ba§ er mit feinem gorfeben für biefelbe ju einem bebingtermeife Dollftänbtgem dvgelmiffe gelangt fei;n werbe. Slllein faum wirb bureb ben S3eginn (einer Arbeit eine fernere , neben ifyt t)ingef;enbe gorfcr)ung in ir)rem ©egenftanbe, auSgefchloffen Werben. £)enn je Wertf)er berfclbe bem $orfcher ift, um fo lebhafter wirb er ju tr)r ftch immerfort gebrungen füllen, fte nicht abzubrechen öer= mögen, gür bie 2)arftetlung atlerbingS mufj er ir)r einstweilen ein ßid fetten. Senn fonft toütbe fein ganjcS Seien nur buret) eine SSorarocit ausgefüllt Werben, fein Streiken nie ju einer beftimmten @e|iaft gelangen, bie in ir)m beruh enbe Einheit beS oon ilmt (5rforfcr)ren mit ir)m verloren gcr)cn, unb biefeS burcr) jebe frembe, auch befreunbetc unb getiefte ,§anb, nur britcf)= ftücfbaft jufammengefügt werben tonnen.

©o fefjr icf; nun auch gewünfcr)t ^atte, baS StBeif, beffen erflc beibe Sfjcile icf> nunmehr ber Öffentlic^feit übergeben habe, bis bafjin jurücfju^alten, Wo icb eS gänzlich bollenbet t)dtte erflehten [äffen tonnen, fo ^abe ich boch mict) überzeugen muffen, cS fei beffer getrau, eS in feinen einzelnen, wenn nur burcr) inneren , notr)wenbigen 3ufammenfjang umgrenzten, unb fo ju bebingter ©eltjlänbiflfett gefalteten feilen fofort r)injugeben. 2)enn in meinem 2111einbe= fi§e blieben jene Schöpfungen einer früheren, bilbungSfrdftigcn Seit, bie ich gern Wteber in baS Seben gerufen hatte, ber möglichen @efar)r beS SSerlufieS unterworfen; gab ich fxe a&er au$ ihm ber Slllgemeinheit l)in, fo erfchien eS mohIgetr)an, ju ihrem befferen 23etftänbniffe ihnen baSjenige mitzugeben, waS ich i'wer f«/ ^id an mir war, erforfcht, burch fte, unb an ihnen erfahren unb gelernt hatte.

2)aj? ber Verausgabe beS erften Steiles bie drforfclntng unb baS (Stubtum ber Duel- len fortwdr)renb jur Seite gegangen ift, baöon Wirb ber aufmerffame Sefer ofme Broeifel ftch überzeugt ffibtn. Selbft rodr)renb beS SrucfeS mürben Erläuterungen unb 3ufä|je notr/Wenbig, weil baS fpäter (Sntbecfte früher febon abgebrueften Slbfdmitten nicht mehr ein* verleibt unb bannt »erarbeitet werben fonnte, unb eS ift nur SSebacht genommen morben, für dinfchaltungen foicher 9tri im Sortgange beS SBcrfeS eine ^affenbe ©teile auftufinben, bantit fte fo Wenig als möglich nur neben bemfclben hergehen bürften. 2tnbereS h«be ich, rco eS tfm'- lieb roar, an geeigneter Stelle im jweiten Zfytik nachgeholt, wooon ber jroeite Qlbfchnttt beS

erften 23ucf)c3 „bie *J3rcufjtfche Sonfcfnile" ein 23etft.net geben wirb. Unb bcnnod) gemann id), eben für tiefen 9tbfchnitt, burcf) eine CRcife nach ^ren^en im vergangenen (Sommer noch manche Bereicherung, bic id; ib,m nid;t mehr unmittelbar einarbeiten, noch einen feindlichen Ort für eine (S'infcfyaltung im Verläufe ber folgcnben Slbfdmitte finben fonnte. Siefen fpäteren (Srroerb, unb anberel, mäfncnb bem 2)rude (Fvmitteltc r bin ich nun oeranlafit, unter bem Slitel öon ^Berichtigungen unb Sufäfeen für ben erften, wie ben jroeiten %.fyeii, biefem legten je§t mitzugeben. (Sofern el 3tlter unb Urfprung einzelner Äirdjenmeifeu betriff, foü el auch in bal, bem legten Steile füuftig betjufügenbe allgemeine 93erjeicr;nip aller ÜJiujtfs Beilagen bei gefammten äöcrfel aufgenommen roerben, moburch beim audj bie am (Sd)luffe bei crften.^eileg febon gegebene Üdcrftc^t ber if)n begleitenbeu 3Mobieen nnb&mfäfce nac^ Urfprung unb 2Uter, too el notfjig ift, ergänzt unb berichtigt roerben roirb.

2Bal bie Beilagen jum jtoeiten Xfyik betriff fo bin icb, bei ber Stitötoa^I berfelben gleichen ©runbfä^en gefolgt, all bei ber für ben erften, unb nuirbe mid; freuen, icenn man mir jugeftänbe, in benfelben ein anfchaulichel SSilb ber 3uftänbe getfilicher Sonfimfi in ber eöangelifcbeu Jtirchc innerhalb bei, in fo vielfacher SBejie^img merfmürbigen 17ten 3a^uw= bertl gegeben ju haben. %wc bal erjte 23ud) biefel Zfyältä Ijabe ich, neben ben neuen fircb= liefen SKetobtcen meldte in ber erften Raffte jenel 3eitrauml entftanben , Vornehmlich forche, bem löten 3^'fyituberte angefi,6renbe aulgeroählt, von benen ich entroeber gar feine, ober boeb, feine genügenben Sonfäge älterer 3)?eifter bem erften Steile mitgeben fonnte, unb bauet foicf>en Bearbeitungen ben Borjug gegeben, in benen lebeubige 2lnffänge ber 9trt unb Jtunft eben biefel Jafnfnmbertl fycrüortreten, um eine mögfichft voHftänbige 3ufamincnftcflnng ber bebeutenberen, in ihm entftanbenen, unb in feinem (Sinne bef)anbelten Äird)enmeifen geben ju fönnen.

'Olm über bie nütgetr)ei{ten Sonfäfce jroeier SD?eifter : 3or)ann Gvügerl unb (Sr)riftoVh $eterl, habe id) nod) eine befonbere (Srflärung ju geben. Bon ben (Sfjorattoers fen jene! erften f)aben mir nämlich nur fein älterel 4ftimmigel 9Mobiecnbud) von 1640, feine Psalmodia sacra unb Vcrfdnebene Qiulgabcn ber praxis pietatis melica voflftänbig Vorgeic= gen 3 feine JUrchengefänge von 1049 unb 165V8 fjabe id), atlel 9iad;forfd;enl ungeachtet, in feiner öffentlichen (Sammlung voflftänbig angetroffen 5 in einer voaren bie Suftrumentftimmen, in einer anbern bie Singbücher vorr)anben, boch gelang cl mir enblich, 5lflel für meine Be= mifcung, wenn and) nid)t für ben @efammtbefi(3 einer einzigen Bibliothef, gufammeujubringen, biä auf bie 2fltftimme, bie nur in einem fd)Iecf;t erhaltenen, unvoflfiänbigen (Sremvfare herbei= jufchaffen war, ba8 in oielen gätfen nüd; gänjtid; im (Stiche liefi. ^ter gemährten mir aber .bie melnftimmigen 2(uSgabcn ber praxis pietatis eine erroünfd^te StuSpife; id; fmbe ihnen bie 9f[tftimme überaü entlehnen, unb burd) bie ^Bezifferung bei ^uftrumentalbaffel jener anberen SDBevfe, neben eigener Prüfung, mich überjeugen fönnen, bafj fte aul ienen älteren iöerfen un=

verändert in Mefd fpätere übergegangen fei. S8 möcbre inbefi ferm, obgleich es nicht öor= anstiegen ijl ba§, »eil in biefem legten ein jeber (S$oraIfa$ allein auf feie 4 (Singüimmen beühänft i% ber Bolljtänbigfeit feiner Harmonie, aud> or)ne beren Bcränberung, juroeilen nacr)= geholfen ©dre, $umar)l bei Sägen, bie in ben angegebenen früheren SBetfen mit 3nfhnmenten begleitet jinb, itn-ld>e bie ffiüt ber 3iM*ammenffänge übertragen, unb fo auf bie Rührung ber ©efangjttmmen &on ßinflufi ferm fennten. Ses^alb r)abe ich biefe Bemcrfung für nörfng gc= balten, baniit bie Sreue unb Suöerlöfftgffit meiner 3)?tttr)eilungen nirgenb einer Berbächtigung unterliegen möge ; unb es roürbe mir ju befonberer ©enugtfmung gereichen, wenn irgenb ein 33cfit5er, fei ber ganzen SBerfe au3 benen id> fd^öpfte, fei es be3 einzelnen ©timmbuc^e» ba§ mir in genügenber Bollftänbigfeit gebrach, nüd; oon etroa yorr)anbcnen Slbroeidumgen unterrich- ten, ober mir bie Berjtcbcrung geben mochte, bajj id) nict/t fehlgegangen fei.

5ftoch mehr bebarf einer folgen Sitte bei meinen 2J?tttt)eiriutgcn au3 (%ifto:pr) Meters Bearbeitungen eigener unb frember getftlicher 2Beifen.

Bon bem Slkrfe aus bem id) fte entlehnte lagen mir jroar alle (Stimmbüdjer r>or, unb bie Snflrammtolöorftnete tote bie Begleitung aller bar)er genommenen £onfä§e fmb ooüftänbig unb getreu nnebergegeben. 3)as Stinunbud) aber, roetd;e3 bie ©efangftimme unb ben @eneraf= bat'; enthalten fotlre, roar nur in ber Borrebe, bem 3nf)alt3öer$eidmiffe u. f. 10. un»erfer)rt ge= blieben, fein ^panprt^eil toar jerrtffen, überall Iüdenr)aft. (Sine (Srgän^ung burd; ein anbereä Göremplar, eine anbere 2tusgabe, mar nicht möglich; meine 9cacf;forfdnmgen banact) blieben vergeben!. 25a3 511 Srgänjenbe bcjtanb fyex inbefi in befanuten fird;lichen SBeifen, bei benen nur auf beren eigentümliche Raffung anfam. 2lnbeutungen barüber gaben fdjon bie öo£U ftänbig erhaltenen Borfpiete unb bie Begleitung ; eine 2luyr)ülfe ronrbe burd; 2>or)ann ftranfe'S geiitiid)el Sion geroa^vt, roorin bie meinen jener 2)Mobieen enthatten fmb, aber freilich nicht unmittelbar übertragen roerben tonnten, ohne befonbere, genaue Berüdftchttgung jener, aus1 bem SBerfe fclbjt ju fchöpfenben 2lnbeutungen. ^ienad) hn&e i$ eme ©rgänjung »erfuhr, überall nur Borr)anbene3 übertragenb, nicht nad> eigenem Sinne etroaä neu machenb ober hin^uthuenb. 9lud) hier roürbe bie Überzeugung bas Oiechte getroffen ju haben, roenn ein Bender bes öoü= ftänbigen SScrfeS fte mir geben tonnte, mir fefjr erfreulich fer/n.

Bieten h«be ich 5U banfen für freunbtid) roor)Ivootlenbe Beihülfe bei meinen $orfchun= gen für biefeS SBerf 5 3)?and>cm roerbe ich ns>$ fcrner $u banfen haben, bi3 c3 öoüenbet bafte= hen voirb. Bis bafnn behalte ich mir öor/ meinen 2)auf auch namentlich unb öffentlich ausjufprechen.

I. Sum crften Steile»

A. 1 1 e r / Urfprung unb S3ovfommcn einzelner 9Jlelobieen bctreffcnfc.

(Seit t>em 2lbbrud'e beS erften Steiles? babe id) bie in bemfelben ernannten, btäf>er nur burd) genaue £5efd)retbungen mit befannt geworbenen, alteren ftrcfyücben SERelobieenbüdjer burdb eigene fdjauung fennen gelernt. SßaS id) nad? biefer ju ergangen gefunben fjabe, (teile ich, in ben f)ier foI= genben äufdfjen gufammen.

3u Seite 23. Sie in ber 'MnmerFung mitgeteilte Umbilbung ber SKelobie beS Veni creator etc. befmbet ft'cb fdbon in bem (Erfurter (Encbiribion (jum fdbroarjen £orn) 1524.

(©. SBetftnel 119.)

3u «Seite 42. Sie borifdje, mirolpbifdbe unb f;i;popbrr;gifd)e SBeife beS luflberifdjen ^PfalmltebeS : ©Ott »om #immel fieb barein" ic. erfdieinen gleichzeitig (1524) in brei

üerfdjiebenen ©efangbücbem. Sie borifdje bei SBalter; bie mirotpbif d>e in SBolfgang ÄopblS „Steutfcb Äirdbenampt mit ©efängen" tc. ju (Strasburg voabrfcbeinlicb in bemfelben Sartre fyerauSgegeben; bie h^popb^gifd^e in bem (Erfurter (Endbiribion (jum febroarjen #om).

(©. SBeifpiele 17, 45 [bie mirol. SSBeife], unb 14 [bie fwpop&rpgifdje]. Sie borifdbe in 8utf>er§ beutfeben ©eiftl. Siebern [Seipjig 1840] Nro. VII.)

3u ©eite 43. Sie ionifcfye Sßeife beS SiebeS: ,,2£uS tiefer Sftotb" ift bemfelben fd)on in bem juüor gebauten ©traßburger „Seutfdb Äirclbenampt" (1524) beigegeben.

(©. S5eifpiel 135.)

3u ©eite 44. 2tud) bie borifcfye unb pbrpgtfcbe SBeife beS Iutf)erifd)en ßiebeS : ,,(ES wollt' un3 ©Ott gendbig fet)n" ftnb gleichzeitig auf baffelbe angeroenbet roorben. Sene er= febeint juerft bei SB alter (1524), unb wirb fpäter bem .KatecbiSmuSliebe ^ßbrift unfer Sperr gum Sotban fam" angeeignet; biefe in bem ©trafjburger jtirchenampte, unb wirb bann bie allgemeinere für baS erftgebaebte ^Pfalmtieb.

3u ©eite 10'J. Sie borifebe SBeife beS tutljerifdben ÄatechiSmuStiebeS : „SieS finb bie ^eiligen jebn ©ebot" erfdjemt bereits 1525, in bem t>on SB. Äbpbl herausgegebenen ,,anber tbe»l ©traf burger Ätrcbengefang" iL

(©. 9lr. 10. ber SBeifm'ele jum 2ten S£f)etle).

3u ©eite 141. Sie 9JMobie roeldje (Erbarb ^ÖegenroalbS ^Pfalmlieb: „(Erbarm bieb mein o Sgexte ©Ott" in bem hier bemerkten fliegenben S5latte trägt, iji ihm auch in bem (Er- furter (Encbiribion »on 1524 (jum fdbmarjen Sporn) beigegeben.

Die fotgenben, ebenfalls Ttltex, Urfprung unb SSorfommen einjetner Sfletobieen betreffenben Seridjtigungen babc tdE> jum gröfüeffen £l)ette ben SSemerumgen etnftcl>ftger greunbe, bie ben itird)en= gefang ber bbf)mifd)en SSrüber betreffenden namentlich bem ÄreiSratfye gretyerrn oon Suchet ju 9lüm« berg $u oerbanfen, ber eben biefen SEfyeil be3 eoangelifd)en Äird)engefange§ mit befonberer Siebe bear* beitet f;at. SDRbcfyte ibm gefallen, feine Arbeit red)t balb öffentlich, ju machen !

3u (Seite 208, Seite 15. Sieb unb SDielobie: „Wun tob' mein' <Seel' ben ffctx-- ren" erfcfyeinen feit u)rem erjlen S3ovfommen am früfjejten 1557, in einem fpdteren 2lbbrude beS 33abftfd)en ©cfangbudjeS, atfo nocfy uor 1562, unb früfjer aI6 in bem 33rübergefangbud)e t>on 1566.

3u ©eite 267, Seite 4 o. u. Da3 $ornfd)e @antional erfdn'en juevft 1544; ba§ ju Dürnberg otjne S^t;r§atjl tjerauSgefommene iji ein fpdterer ^acfybnuf. Sur ben Äird) engefang ber beutfcfyen ©emeinen ber bbfjmifdjen S5rüber ift e§, jufammengenommen mit bem SBeiffefcfyen (1531) unb ber £luartau3gabe t>on 1566, bie ^»auptquelle.

3u (Seite 269, Seite 11. „Der $Rei)xid)l nad) au3 altem lateinif cb/en, Zeitigen ©efange entlefjnt." i(l nid)t bie Stbftcfyt geroefen mit biefen SBorten ju fagen, bafi alte fester errodt)n= ten ©efange liturgifdje ber alten rbmifcfyen ilirdje geroefen. @in großer Sfyeil berfetben gefjbrt t>iet= mebr obne Sroeifet (83ergl. ©. 33, 35 u. ff.) ber Seit jroifcben bem 13ten bi§ in bie lebte £dlfte be§ 15ten l)inein an. Danach; ift bie tjier gebrauchte, etroaS ju allgemeine S5ejeid)nung ju befcfyrdnfen.

Su ©eite 270. Die SJlelobie beSSiebeä: ,,@in' neue Sab, n roir alle ba'n" fdjeint mir, nad; erneuerter Prüfung, bod) nur ju fdjroacfye 2fnfldnge an bie be§ lutfjerifct>en „ßfjrift unfer .£>err jum 3>otban fam" ju jeigen, um fie auf biefe bejtefjen ju fbnnen. S5eibe werben al§ fetbftänbige gelten müffen. Sene erfte ift übrigens aud) bie bej> erften 9)falms> in SSurcarb SZBatbiS Siebpfalter (SBofyl bem, ber nit t>om 2öeg' abtritt), 1553, unb biefer bürfte bie dttefte £luelle fetjn, auf roeldje fie jurüdjufüfjren ift.

Die SBeife be§ SiebeS: „SefuS @f)riftu3 unfer £err unb #eitanb" erfdjeint be= reitä 11 3af)re t-or SinfeifenS ©efangbudje in bem Äeucfyentfjalfdjen, 1573, unb fogar jroeimaljl; 331. 305 mit jenem Siebe, unb 331. 254 mit bem beS S3rübergefangbud)e§ tton 1566: ,,%d) roie grofj ifl @otte§ ©üt unb 2B ol)ltf)at". gretfjerr von Sucher fanb fie bereite in einem 1541 ju $rag erfdn'enenen bob^ifcfyen ßantional; bemfelben, ba3 id) ©. 287 in ber 2lnmerftmg errodtjnt, unb bort, oermutljenb, auf ba§ Sal)r 1544 jurüdgefütjrt b,abe. (SSergl. aud; <S. 280.)

Su (Seite 275, Seile 18. (Sd>on in bem 3Beiffefd)en ßantional (1531) (lel)t, otme 33er* weifung, bie SEßetobie beö SiebeS „Äel)r um, fet)r um bu junger (Sofy x\" neben bem Siebe: „2Ber ©otte§ Diener roerben roitt".

3u (Seite 279. Die SBeifen ber Sieber: „Tlllmddjtiger gütiger ©ott", unb „Dam f et bem ^>errn" ftel;en (bie erjie mit einigen 2£broeid)ungen) bereite in bem 2lnf>ange ju ben 1545 bei SS. S3ar>j! erfdjicnenen ©eijllidjen Siebern, 9ir. XXXVIII. unb XXXIV.

3u ©eite 280, Seite 14. Die SSJlelobie beSSiebeä : „£>9ttenfcr; bttxafyV roiebid)bein ©ott" ft'nbet fieb fd)on tn2Beiffe'§6antional (1531) ben Siebern: „3u ©ott ^aben roir^erj unb Sinn" unb ,,©ro£mäd)tiger, eroiger ©ott" angeeignet. @ben ba Seite 21. (Scbon tjor Sinfeifenä ©efang= buebe erfdjetnt bie f)icr errodbnte f r e m b e SJiclobie für baSSieb : „© e b r g r o ß i ji © o 1 1 e § © ü 1 1 g f e i i"

in bem eben juuor angefüllten Anhange bei SS. S5apfr, Nro. XXXIII; beSgt. 331. CCXir in bem (Strafburger ©efangbud)e uon 1569; bei 3infeifen 331. 338.

3u Seite 281. Sic SJMobie beS SiebeS: „Ser Sag bricht an unb jeiget fieb" giebt Friller (1559, Xiiij) mit bem Siebe: „(5S fpracb ßbviftuS beS SKenfcben Sof;n" unb ber Überfdirift : //2Cuff ein' alte SSBetfe: Ave fuil prima salus". 83on bort ijt ftc in ^PrätoriuS' Sionifd)e Stufen (VE, 1G09. Nro. 221) übergegangen. 3n bem Strafjburger ©efangbudje oon 1569 (331. CCLY) erfebeint fie mit bem Siebe: „dfyxt, lobt, unb banft mit ganjem §leif"; bei 3infeifen (331. 374) mit voieber einem anbern: ,,©ott SSater, £err, wir banfen bir" k.

3u (Seite 284. Sie SDcelobie beS SiebeS : „2C18 Sefuä 6&rtjlu§ ©otteS <Sobn" k. ftnbet fid) fd)on früher als in Sanbgraf gjcorifcenS ©efangbud)e (1612), bei 3inFeifen. (851. 100). @ben ba. Dem Siebe: ,,2Bir glauben an ©Ott ben SSater" eben wie: „ßbritfuS leibt ben SEob mit ©ebulb" ijr fd)on in bem ßamional t>on 1531 eine SBeife, unb jmar beiben bie gleiche, beigegeben. 2luf biefe roirb baS Sieb: „Sie ©onne wirb mit ihrem Schein", baS aud) eine eigene Singweife bat, »entliefen, mit ben SBorten: „Ober im Sl;on ,,S53ir glauben ic. SDben %. ri. notirt".

3u Seite 411. Sic borifd) enbenbe SBetfe beS SiebeS: ,,Sefu nun fei gepreifet" bat t>or 4>. Schein bereits ^rätoriuS. (M. S. VI, 1609. Nro. 6.)

3u Seite 415. Sie in ber 2fnmerfung erwähnte SJletobie erfdjeint bereits 1563 in 9cico= lauS £errmannS ^jiftorien v>on ber Sünbflutb. (S.) ju bem Siebe: „greut eud) ihr @l)riften alte gleich". (3n ben SonntagSeüangelien, 1560: „SEÖer f)ie für ©ott will fe»n gerecht.")

3u Seite 416. 417. SSBegcn ber vcrfd)iebenen Singweifen beS SiebeS ,,^)err 3efu (5 r i fl wahr' SJlenfd) unb ©Ott" tft golgenbeS ju berichtigen. Sie bem «Seth, (SalüifiuS (9tr. 55 ber SSeifpiele) jugefebriebene SJMobie biefeS SiebeS nad) fed)S5eiltger Stropbenabtbeilung ift, mit wenigen 2lbwetd)ungen, bie beS U7tcn (127flen) ber calü inifc^en SOfalme. 2tud) ftimmt ©oubimelS SEonfafj biefeS legten bem t>on Seth, ßafoiftuS aufgenommenen im SBefentlicben übercin.

Sie bem 9Jield)ior SSulpiuS beigemeffene SBeife beffelbcn StebeS nad) vierseitiger Stropbenabtbeilung (9er. 83 ber 33eifpiele) ift bie, S. 277 ermahnte beS 33egräbnifjliebe3 ber bbbmifdjen 33rüber: „£> Sefu 6 f) r t ft e ©otteS S>ol)n", bie fid) fpäter auf SBeiffe'S Sieb: ,,9cun lafit unS ben Seib begraben" übertragen finbet. (1531: 9hm loben wir mit Snnigfeit.)

■£>ienad) bleibt eine SBeife calüinifdjen, unb eine b 6l)m i fdjen UrfprungeS, mehr als gefdjeben, unter ben in bem lut£)erifd)en Äird)engefange fortlebenben anzuführen. %ene ift S. 254 ben fd)on im 16ten 3al)rl)unberte für ben lutl)erifd)en Äirdjengefang entlehnten beijureebnen, unb baS 3abr 1562 als baS frül)ejle, auf baS tf>r Urfprung jurücfgcfübrt werben fann, anjunel;mcn. Sie le^te ift, ihrer 2lbf}ammung nach, ©. 277 fd)on erwähnt; im 3?egi(ter geht fie nun auf ba§ %at)x 1531 über auS bem wertesten 2lbfafce beffelbcn. 6ine in ben ©runbjügcn ber @ccarbfd)en SBeife beS SiebeS : ,,^>err Sefu G^rtfi, wahr' SUcenfd) unb ©ott" ähnlid)e SJcelobie bort auf ein fed)S= jeiligeS Sieb: „S5 Sefu ßhr'P/ wabY ©otteS Sohn" angewenbet, weSh^lb man fie leid)t oerfennen fann fommt allerbingS bei (Srt)tl)rauS t>or (Nro. LXXVII). Sod) weicht fie nicht unbebeutenb von jener ab, wie benn, anberer SScrfchiebenheiten ju gefchweigen, ihre erfte 2luSweid)ung nad) ber

Dominante gerietet ifi, wäbrenb ©ccarbS im ©runbtone bleibt. 3n jebem gaüe ijt biefe gaffung (1608) bie jüngere.

Grnblicb ifi ju ©eite 417, tfnmerfung **), noch nacbjutragen , bajj bie bei tfmmoniuS t>or= fommcnbc SSBeife für baS ßieb: ,r^>err Sefu (5f;rift wahr' SKenfch. unb ©ort" mit wenigen tfbweicbum gen bie beS £immetfahrtliebeS tjh „9cun freut eudh ©otteS Äinber all". (©. 9er. 59 ber SBeifpiele jum gweiten Steile.) Sie t£>r folgenbe iff bie beS Siebet : „©anct ^auluS bie ßorintfner".

3u Seite 432. Die oon 9Keld)ior granf ju bem Siebe ,,"3fd? ©Ott unb #err" erfunbene, unb fünfjtimmig in ber ionifcben Sonart (F'1) gefegte SJMobie fief>t bereits in bem erften Shetle feines mufifalifcben SufigartcnS, Dürnberg, bei gubrmann, 1616. (Nro. XVIF.) ©. £h. II. Seite 59.

ß. @rgänjung, ben italienifcben ßiebpfalter betreffenb.

©. (Seite 261 265.

DaS am ©d)luffe beS erften 2lbfd)nitteS im jweiten 33ucbe beS erften SSbetleS: ,,Dte 9>falm= lieber ber ßaloinijien unb if>re ©ingweifen" befcbriebene italienifcfye ^falmbud) führt fotgenben, bort ntcbt mitgeteilten SSitel:

,,Sessauta Salmi di David, tradotti in rime volgari Italiane, secondo la veritä del testo Hebreo. Col Cantico di Simeone, e i dieci commandamenti della legge, ogni cosa insieme col canlo. Deila stampa di Giovanni ßattista Pineroli, MDLXXVIH. 3n 2tnton ©cfymibtS ^Beiträgen jur Literatur unb ©efcbid)te ber SEonrunft (mitgeteilt in ber geitfcbrift Cacilia .£>eft 83. 33anb XXI. ©. 166) fmben fich unter ganj gleichem Stiel, alS im Safyre 1554 gebrückt, angeführt: XX Salmi di David etc. (rote oben bis ju bem SBorte canto.) Genova appresso Gio. Crispino. Nel LIBü. Dabei wirb bemerft, bafj biefcS S3ud) in Fleinem £)ctat>format acfyt SSIättcr unb 80 «Seiten ent= tjalte, unb bajj bie 5Dcelobieen in giguralnoten aufgezeichnet feien.

2Babrfcbeintid) heftet bie M. £ofbibliotr;eF ju 2Bien, in melier btefeS S5ud) ft'cb. befm= bei, an ib,m ben erjlen Sßerfud) eines italienifcben ^falterS für ©efang, ber jebod) innerhalb 67 3ab- ren bis 1621, wo bie fpatefie, mir befannt geworbene Ausgabe erfcbien nur bis auf 60 $>fal= men angeroacbfen ijt. Über ben fonfHgen Snhatt fagt bie erwähnte 9cotij nichts. 2öal)rfd)einlicb, galt baS SBucr; um 1554, bei feinem erfjen (Srfdjeinen, als unanffofitge Nachahmung ber franjbfifcben ^Pfalmenüberfefcung, wogegen eS bei feinem fpäteren, wegen vermehrten, unb burdh befltmmte Angriffe auf bie rbmifcbe iUrdbe t?erbdd}tigten SnfyalteS, ohne ßweifel ju ben verbotenen, unb beSfjalb feiten geworbenen S3üd)ern gehörte.

C. Uber einzelne ©änger unb ©efjer beS 16ten 3af)rbunbertS. 1. eiaubitt Ic 3cunc. ©. 257. 258.

DaS über ßlaubinS le Seune SebenStterbdltmffe unb SSBerfe a. a. £). ©efagte ifi, fo weit eS mit bem ©egenjtanbe beS worliegenben 33ucbeS in näherer SBejiehung fiebt, nach. Fetis, Biographie des musiciens VI. p. 102 106 folgenbergejklt ju ergdnjen unb ju berichtigen.

ülaubin le 3eune würbe ju SklencienneS, tt)ßf)rfcf)einlidr> bereits um 1540 geboren. Über bie ©cbjcffale fetner früheren 2ebenSjah,re haben wir feine Nachrichten. Um 1 58 1 finben wir ihn am

£ofe £einrid)S III. oon g-ranfreid)/ als Urbeber mebrer SEonfälje für bic geftlicbfeiten bcr S3ermdb= lung beS #er3°3§ t>on 3<weufe mit bem gräulein »ort SSaubemont. Unter biefen (fo erjagt unS fein greunb St)oma6 b'tfmbn)) befanben ftcb, aud) ©efange auS ber pbrpgifcben unb b^popbrpgifcfyen SEonart, burd) melcbe ber 9fteifter einen ber anmefenben £ofleute bÜX ÄampfeSmutb reijte, unb biefe mieberum füllte; eine (Srjäl)[ung, demjenigen gleicbenb, mag man unS t>on griecbifd)en SEonmeiftem ju berieten pflegt, unb, mie eS ftdt> bamit aud) uerbalten möge, minbcjtenS ein 3eugni£ für ben Sin* bruef ber tonfünfilerifeben ©cböpfungen ßlaubinS auf feine ßeitgenoffen. iJlad) bem SEobe £etnrid)S beS ©ritten ging er in bie dienfte feines Nachfolgers über, ©ein SEobeSjafyr mirb jmifeben 1598, mo er ein balb ju ermä[menbe§ SBerf b^rauSgab, unb 1G03 ju fe|en feim, auS vr>eld>em Sabre mir eine £)be fcincS juoor genannten greunbeS beft'^en „sur la musique du defunt Sieur Claude Lejeune", bie if)n alfo als einen bamafylS bereits 2n>gefdn'ebenen nennt. 25aS ältefle feiner t>on Fetis angefür)r5 ten SBerfe: „Livre de melanges" erfdjien ju Antwerpen 1585 bei @brifto:pl;) $>lantin, t>od) r>er= mutzet jener ©eletyrte, bafj bav>on nod) eine frühere 2fu6gabe uorbanben fei. liefern SEBerfe folgte ein S3orldufer feines *))falmbud)eS unter bem SEitel: „Dodecachorde contenant douze pseaumes de David, mis en musique selon les douze modes approuvez des meilleurs autheurs anciens et mo- dernes, a 2. 3. 4. 5. 6. et 7 voix, par Claud. Lejeune, compositeur de la musique de la cham- bre du roi. A la Rochelle, par Hierosme Haultin 1598; eine 9Jeil)e motettent)after SSebanblungen SUiarotfcber ^Pfalmcn, nad) gettä Urtbeit cineS feiner beften 2Berfe, von bem in ben Sauren 1608 unb 1618 jmei fpätere Ausgaben ju $>ariS bei $>eter SBallarb erfdjienen. SBeniger SSeifall fanben 50 3|timmige *Pfatme, bie bei bemfelben S3erleger erft nad) ßejeime'S SEobe, 1607, berauSfamen, »on be= nen eine fpdtere Ausgabe nid)t begannt ijt. 2Me dltefte 'tfuSgabe feiner 4 = unb 5jtimmigen Sonfä^e über bie SJlelobieen t>on 9Jlarot§ unb SBeja'S Jaunen erfcfyien bereits 1608 ju Sfodjelle bei 3- QauU ttn, oon feiner ©djmejler Geteilte beforgt; eine 2te 1613, ju ^)ariS; eine 3te ju ©enf, 1627, bei 3ean be SourneS; eine 4te ju ^rnfterbam 1629, unb it>r folgte unmittelbar eine 5te, ju ^PariS bei S3allarb berattSgefommene, mit Söeglaffung ber fünfftimmigen SEonfdfec über bie ^falmmelobieen. (Sine 6te erfdjien 1633 ju 3(mfierbam, unb eine 7te 1635 ju Sepben, bei Suft 2it>iuS.

die übrigen SBerfe biefeS SDleifterS ftnben ftcb. bei getiS a. a. £). aufgejeid)net ; bem l)ter oonualtenben 3mede ftnb ft'e fremb.

2. asact^olomäue ©eftuö.

2)aS ©. 359 über biefen 9JIeijter ©efagte: ,,©egen baS @nbe beS %ai)xt)ünt>txt$, um 1598, erfebeint er als Gantor ju granffurt a. b. £)., »on mo auö nod) im %al)xe 1624 fünf ■■ fed>6 = ad)tt unb mebrflimmige ^)od)jcitSgefänge won ibm in ben druef gegeben ftnb" fbnnte bie 33orauSfe(jung erregen, als fei er bamablS nod) am geben gemefen. dem mürbe aber SßalterS Angabe (©. 278) miberfprecben, monad) er 1614 bereits mit SEobe abgegangen mar. ßeiber mu^ \&> biefen ^)unft un» entfd)ieben laffen; benn urfunblicb. ift er nid)t me^r aufjuflären gemefen, meil bie SEobtenregifter ber Cberpfarrfircbe ju granffurt a. b. £)., in beren iDienjte ©eftuS jtanb, erfi mit bem 3af)re 1657 beginnen. 3n ben alten 9?ed)nungen jener Äircfye mirb inbep febon um 1617 eineS GantorS Ärüger ermäbnt, fo bajj SBatterS Nad)rid)t alle 2öabrfcbeinlid)feit für ft'd) l;at. ©eftuS mar ber dltere S3ru= ber beS ^ajtorS unb ^)rop(teS ©ottfrieb ©eftuS ju SKüncb, eberg , beffen ©of)n gleiten NamenS ju

Hornburg auSgejeichneter Äanjelrebner gefd^afet würbe, unb am ljien ©eptember 1679 bafelbft a(S ©enior be§ geiffticben 9Jiinijterii ftarb.

£)ie S5tbltotfjef ber £>berpfarrftrcbc ju granffurt a. b. £). befaß früf)crt)in eine, nunmehr werteren gegangene, 1607 in 4 ©timmbüchern in 12mo gebrucfte 2lu3gabe be§ ©eft'uSfchen ©efang= bucr/e3, wäbrenb in ben £luart = Zugaben feines 3Berf§ t>on 1601 unb 1605 bie (Stimmen jufam= mengebrucft ftnb. 3$ gebenfe tiefet UmftanbeS, roeil ©erber, ber (N. S. II. Gol 311) biefe Titö-- gäbe, unb nod) jwei fpätere t>on 1608 unb 1616 anfuhrt, benfelben nicht ermähnt.

3. Slnbreas 9tafeItuS,

Sern ^Berichte über 2lnbrea§ StafeltuS (©. 378) tft golgenbeS beijufügen. 2Cuf bem SEttel feines bort angeführten SBerfeS : 3?egenfpurgifd?er Äirdjcn ßontrapunct ic. ft'nbet fidt) noch, ber Sufafc: ,,9Eit 5 Stimmen alfo gefegt, baf? Seberman ben ßboral onb befanbte SSRelober; jebeö ©efangeö t>nget)in= bert »ol mitfingen fann. £)urch tfnbream 9?afelium, M. in ber newen $farr t-nb lateinü fdbcn ©tattfd;ul Cantorem bafetbften. ©ebrucft ju 9tegenfpurg burd) ^Bartholome ©räf." 2lud) hier mar e3 alfo bie Tlbfifyt be$ SEfteifterS, ben Sonfafj fo einzurichten, ba£ bie ©emeine mit if)rem ©efange fid) an ben mebrfiimmtgen be3 ©ängerct)ore§ lehnen fbnne. £>od) mirb tfjr nur eine be= fdbranfte 2lnjabt »on SEßelobieen unb SSonfäfjen gegeben; ba§ 35üd}[ein enthält nur 51 ©äfce, 13 ju üier, 38 ju fünf Stimmen (wenn mir nicht bie beiben £ieber: „Erhalt un3 $err beinern SBort" unb „SSerleih un3 ^rieben gnäbtgltch" für eine 3 annehmen, wo bann ber 5ff. ©ä£e nur 37, aller jufammengenommen nur 50 ftnb). 83on ben Biebern, beren ©ingmeifen in biefen SEonfäfcen beban= belt werben, ftnb bie Sölebrjabl (18) $>falmlteber ; ber geftlieber ftnb 13, ber Äated)i3muSlieber 7, etneS , au3 bem 5ten ßapitel be3 Jeremias genommen: ,,©et)t auf bie ©afT Serufalem unb forfdbt auf ihren ©trafen" muffen mir alö ©chriftlieb bezeichnen; bie übrigen jroölf ftnb unter bie Benennung: ,,2ehr * SSet unb ©anflieber" jufammenjufaffen. Die tierfttmmigen ©ä£e ftnb großenteils einfach, Sort gegen £on, behanbelt, in ben fünffttmmtgen fommen reichere, gefd)müdtere ^Bewegungen ber SERtttelflimmen unb be§ S3affeö t>or, nirgenb jebodb au£ ber 4?auptmelobte gefd)bpfte Nachahmungen; auch wirb mit jeber 3«le in allen ©timmen burchmeg abgefchloffen. Wit geringen Ausnahmen ift ber ©afe rein, flar, unb wohllautenb, auch tft/ nur ätx>et gälle abgerechnet, bie #aupt= melobie burchauS ber £)berfiimme jugetheilt: in bem 4jt. ©afje über bie SKelobie ,,Sn biet) hab' ich gehoffet £err" unb bem 5fh (auch »on SSJJichaet ^rätoriuS mitgetheilten,) über bie gefiwetfe : ,,©elo= bet fepjl bu %t\\xb <5t>rtft/y führt fte ber SEenor. 3n ben Söielobieen ft'nben ftd) juweilen erhebliche Hbroetcbungen t»on ber gewöhnlichen ©ingart: fo in ber beS £iebeä „Nun bitten wir ben Zeitigen ©eijl" (©. 143) unb „Sefuä <Sf)rtfiuä unfer |>eilanb, ber ben £ob überwanb'' (©. 248). |>in unb wieber ftnb in ber gewöhnlichen ©ingart erfcheinenbe, einjelne 3üge rb^tbmtfcben 2Bechfel§, f)ter %\x entfehiebenem ©egeneinanberftellen bc§ geraben unb ungeraben SEafte§ geworben: fo in ben SJWobieen ber ßieber „(Srbarm t>td> mein o ^»erre ©ott" (©. 118) unb „@brift unfer ^>err jum Sorban fam" (©. 182). Surchgehenb worwattenber 3theiliger Saft ft'nbet fid> nur in ber «Welobie beS ^falmltebeä : Nun tob' mein ©eel ben Herren. 3Ba§ bie Tonarten ber 5!Jlelobieen betriff, fo bat bie weiche über bie harte ba§ Übergewicht; jene erfcheint 30=, biefe nur 21maf)l. 2lm ^dufigflen baö Dorifche,

9maf)l in bem Umfange »on D, 6maf)l in bcm t>on G mit fleiner Serj ; ba3 ^t)r»gifd)e 6maf)l, fünf= maf)l in feinem urfprünglichen Umfange (E), einmal in bem verfemten (A mit fl. ©ecunbe unb £erj) ; 9mal ba3 ftolifdje in bem Umfange »on A. 2)a§ 9CRirolwbifche fommt nur in feinem urfprünglichen Umfange (G) »or, ömafyl; ba§ Sonifdhe 7mabt in bem »on C, 9mabl in bem »on F. #albe %on= fdjlüffe finben wir nur bei ben »brpgifdjcn -üDMubieen; am tjauft'gften in ber gorm, bafj ber abfiel genbe in ber .©berftimme mit bem auffteigenben in ber ©runbftimmc »erbunben wirb. 9cur in bem erften Sonfafje be§ 33uchc§, über bie »brpgifche 2Betfe bc§ spfalmliebeS : ©Ott »om ^immel

ftef) barein" begegnet unS bie unregelmäßige S5eg(eitung be§ »h^gifchen, abfteigenben SonfdbluffeS burdh bie fleine SEerj unb £luinte im SSaffe. Suvoeilen roirb bie SJMobie uon ber 2ten ©ttmme über= fchritten, meift bei ben ©chlufjfdllen. Sn einem einzelnen galle, bem 4fh'mmigen SEonfa^e ber 9JWo= bie: ,,5n bid) fyab' id) geboffet Qm" (©. 62) bie (roie juuor bemerft ifi) im Senore liegt, btlbet beren ©cfylufjton auch bie ©runbjiimme, inbem ber 33afj r>on ber ^Dominante au§ in beren £)ctat>e binauffpringt. ©dhlüffe burd) ben £luartfertenaccorb unb garten £)reiflang bei liegenbem SSaffe be* gegnen un3 juroeilcn (SSater unfer im Himmelreich, ©. 181 ; 3efus> @briftus> unfer .£eilanb, ber »on un§ tc. ©. 191). 2tud) ift ba§ £inabfpringen be$ Settton§ in feine große Unterterj nicht fetten. (©. 100, 105, 146, 183 k.) Sie SSorrebe: „©eben ju Sfegenfpurg, am Sag ©regorii, 2tnno 1599" enthalt nichts @rbeblid)eS. ©er SOleifter bittet barin um 9?ad)ftd)t für feine Arbeit; er roiU burd) ihre Verausgabe ein früher gegebenes S3erf»red)en erfüllen, unb beS ,, früheren mannigfaltigen 'MfchreibenS berfetben abfommen."

D. 33ermifcbteS.

3u «Seite 65. ©larean giebt ben 4jtimmigen SEonfafc #bam3 »on Sulba über bie SKelobie beS t>ter angeführten SiebeS „tfdb, £ilf mit 2eib" :c. ©. 262. 263 feine§ Dodecachordon, mit ben üon if)m unterlegten lateinifcben ÜIBorten: 0 vera lux el gloria altissimi patris, Jesu re- deniptor humanae geutis etc. (©. Seite 261 ebenb.)

3u (Seite 116. 25er f)ier So bann S5ert genannte Sonfc^er (jufolge ber in ber 2fa= merfung *) angeführten Überfcbrift in £. 2offiu§ Psalmodia) bürfte jener 3ohann 33ertram fepn, oon bem ein ßobgebiebt jenem SBerfe üoranfte^t, überfeb. rieben: Elegia Johannis Bertrami Cell. Can- toris Luneburgensis.

3u ©eite 156, 3etfe 4. «Statt: „Jßeibe Sieber" ift richtiger ^u lefen : „£>iefe brei ßieber."

3u ©eite 255. @3 ift ju bemerfen, bafj bie ©tro»hen ber hier genannten beiben gieber: ,,£)u o fcbbneS SEBeltgebdube" unb „TOe 93ienfd)en müffen fterben", ber beS 25ften ber caluinifchen SPfalme nicht übllig übereinftimmen. £)iefe t>at in itjrem OTgefange »erfcbrdnfte 3eiten (7. 8. 7. 8), jene bagegen Seilen» aar e (8. 8. 7. 7).

3u ©eite 358, Seile 5. Sft genauer fiatt: „Sorifdbe", #»üobonfche ju lefen.

II. Sunt 3 wetten £fjetle»

l. 2>aS Sieb: ,,£)er 33räut'gam wirb balb rufen" betreffend

(3u «Seite 64. 66. 73 u. ff.)

9Keld)ior granf ijt n t dt> t Sinter jenes Siebe§; bei biefer 2frmat)me war id) burd) ben, in feinen Angaben ber Urheber älterer Sieber fefjr unjuücrläfftgen 2Be£el getäufd)t. £>a§ Sieb gef)6rt S o> fyann SBalter, jwar nid)t in ber golge feiner ©trogen, bod) in jeber einzelnen berfelben, weld)e alte feinem ,,get)fttid)en unb d)riftlid)em 33ergfreif)en: ^erjlid) t f) u t mid) erfreuen" entlehnt ftnb.

3d) lernte biefen juerft of)ne feinen tfnfyang fennen, ber ben 25 ©tropfen beffetben, unter ber tfuffebrift: ,,be§ S£td)ter§ jugabe" nod) 9 anbere bjnjufügt. Sie vier legten ©tropfen biefe§ "KnfjangeS erfdjeinen nun in Wl. granfS Sfofengarten aB ein felbftänbigei? Sieb, mit ber älteren ©ing* weife biefeS SQieifrerS ; unb ba biefer in anberen galten ben £>id)ter unb «Sänger in ftd) vereinigt, fo fonnte bem, mit ber 3ugabe SBatterS Unbefannten, letcfyt bie ä3orau§fefnmg cntftet)cn, bafjt aud) f)ier ftd) fo »erhalte, unb er würbe barin burd) S35et§el§ SSerftdjerung beftärft.

2n ganj anberer ©effatt tritt fpäter, nad) 50^eldt;ior granfS Sobe, ba§ Sieb in bem erften Steife be6 ©otf)aifd)en ßantionalS (1646) mit einer 2ten Sötetobie biefeS 9fteifter§ un3 entgegen. £>ie Quelle au§ ber beibeS gefd)bpft roorben, ift bort jwar nid)t angegeben, bod; erfaßten biefeä geifi* liebe SJielobieenbud) nur roenige 3at)re nad) granfS Eingänge, in feinem SSaterlanbe, unfern be§ £)rte§ feiner legten £f)ätigfeit, unb e6 ift faum ju bezweifeln, bafj bie neue SBeife, bie mir t)ter fi'n= ben, il)in wirflid) angehört, bafj bie ©eftalt in ber ba3 Sieb un3 f)ier begegnet, bie (Sinwirfung feiner £anb erfahren tyat. <5$ mirb l)ier nämlid) nur bie 6te @tropf)e ber ßugabe SBalterS, al§ beginnenbe gegeben; alle übrigen ftnb feinem Siebe felbft entlehnt, in einer 3ufammenjteltung bie ba§ ©egebene leid)t ein ganj '•fteueS erfd)etnen laffen, unb über feinen Urfprung täufd)en fann. folgen näm= lid) ber 6ten Strophe ber Sugabe (ber 31fien, menn man biefe mit bem Siebe al6 ein ©anjeS betrad)= tet) nunmebr bie 8te, 9te, 16te, 18te, 17t« unb aB ©ebtup bie 13te be3 2Balterfd)en 33ergreiben§. SDiit biefen 7 ©trogen in ber angegebenen Sotge, unb mit granfS fpäterer SJMobie, erfdieint ba3 Sieb nod) 1741 in greiling3f)aufen3 ®efangbud)e (SSlt. 1425), unb wer ba§ 2Balterfd)e ftd) nid)t feft eingeprägt f;at, fann burd) eine fold)e Umftettung, unb bie »eränberten S3ejief)ungen ber einzelnen ©tropfen, leid)t ju bem ©tauben üerleitet werben, ein ganj neue§ cor ftd) ju fyaben.

©ennod) glaube id) nid)t jurücfnefjmen ju bürfen, wa§ id) an ben angeführten ©teilen über granfS ®emütf)3rid)tung mit 33ejug auf biefeS Sieb, unb in ber unrichtigen SSorauSfefcung feiner Urb.eberfd)aft gefagt fyabe. 3n ber 3ufammenfteltung wie mir eS bei il)m ft'nben, ift in ber SEt>at fein; brüdt fein SSerfyältnifj au3 ju bem urfprüngtid)en, au§ bem er fd)6pfte, bleibt ein treuer ©piegel feiner ©eelenftimmung, bie er in ben beiben »on il)m baju erfunbenen ©ingmeifen nod) be= ftimmter ausgeprägt fjat.

2. 3u bem jmeiten 2tbfd)nitte beö erjlen SSucbeö: „bie ^)reupifd)e Sonfd)ule." S)urd) meine 2Cnttjefent)ett in Greußen im »ergangenen ©ommer (1844) lernte id) eine ©amm= lung älterer Sonmerfe fennen, »on ber id), wegen il)ter 2Bid)tigfeit für bie ©efd)icl)te ber Sonfunft in jenem Sanbe, bjer einige nähere 5Jiad)rid)t ju geben f;abe.

wir, bafj man il;ren .RrciS babur# ju erweitern gefugt f)abe, baß ben beliebteren unter ben ©ele= genl;eit3gefdngen be3 SKeijler§ von gleichem ©tt)le, geiftlid;e SSerte unterlegt würben, oft mit vielem ©lüde, fo baß bei vielen bie Unterlegung olS folcfye faum ju erfennen gewefen mdre,*) Grone'3 Sammlung tjt bieö nocb mit jefcn anbern ber gall (9fr. 23. 26. 29. 35. 45. 78. 81. 83. 87. 153), beren urfprünglid;e Sicher mir in ben 2Bef)lauer unb jtönigeiberger gebrudten Sammlungen mieberfinben. 9iur einer biefer ©d£e (Rt. 45: ,,.£>ört an ba§ bitter' Seiben") begegnet un§ fdjon in ben gejtliebern (&f). I. 9lr. 3) mit bem Siebe „Set große Sag beö Herren", unb f)at burd) ßrone eine jroeite Unterlegung erfahren. "tfbgefeben von (Sntlebnungen foldjer 2lrt, erfcfyeinen l?ier aud) ur= fprünglid) gcftliebcrn @ccavbe> angel)örige ©d$}e mit boppelten Serten. ©o ift bem 5jlimmigen £on= fa£e, ber in ben gefUiebern (£1;. II. sJlr. 8) bem £immelfal;rt§liebe eignet: ,,greut eud) ifjr <5f)rtflen alle, ber ©iegSfürjt 3cfu$ <5t;rtfl jc."**) l)ier (unter 9tr. 15) folgenbeS Sieb anbequemt:

©ar luflig jubiliren bie lieben (Sngelein, il;r' ßantorep fte gieren mit il)ren ©timmelein, Unb fingen alljumabj: ©ott btr fei unb @l;re,

bein griebe ftd> vermehre, bem Sfatb. ber 2Belt gefall ic.

ein Sieb, beffen DJielobie auch, in fpdteren ^)reußifd;en ©efangbücfyern, namentlich nod) bei Sfogall, für anbere Sieber in SSejug genommen mirb, womit rool;l auf bie l;ier aufgenommene @ccarb§ fjtnge- beutet fet;n fbnnte. £l;ne Zweifel gel; ort biefe aber bem JpimmelfafjrtSlicbe von ^eter £agen urfprüng= lieb, an; fd;on ber großartige rl)i;tl;mifd;e ©d;roung il;re3 '#ufgcfangc§ ber in ber hier gerodelten rh»tl)mifd)en tfufjeidjnung ftatt ber gebrdud;lid)eren taftifd)en ftd; beflimmter b.eroorl;ebt beutet ba= rauf. £>b fte nun biefem, ob il;rem melobifdjen gortfebrttte, ber neben einiger grembartigfeit jugleicb. füfjn unb belebt ftd; barfteUt, il;re ^Beliebtheit »erbanfe, muffen mir unentfdbieben laffen.***) ©aß mit ©tobdu§' SDMobicen unb SSonfdfcen ein 'Ähnliches gefebehen fei, habe id) in biefer ^anbfdjrift* lid)en Sammlung nicht gefunben. 2(ucb fonnte id; unter ber beträchtlichen 2Cnjat)I feiner gebrudten

*; <B. Ztytil L Seite 447. ") ©. SBeifpiet 9er. 223.

"*; (Srft unter 5Kr. 59 erfd;eint in (ärone'6 tjanbfdjriftl. Sammlung biefe SEJictobtc mit bem Cicbe, mett^enr fte in ben geftlicbcrn eignet; banii nodj ein brtttcSmafjl (9er. 64) mit einem gteid; anfjebenben, aber nun ju einem StBeitjnadtjtlicbc umgeftatteten : „greut eud) ifjr. CSfjriftcn alle, ©ott fdjenft eud) feinen ©ofjn" u.

2)ic ©troptje be§ Cicbeß ift bie bc6 bcfannten £clmbolbfd)en „23on ©ott mitl id) nid)t laffen" beffen ge= brä'udjlidje SKetobie mit (Zi). I. ©. 422. 423) ßccarb gugefebrieben Ijaben. SSei Grone erfc^cint biefe nebft (SccarbS Sonfa^e (9?r. 156) ju *})au( 6bcr'6 Siebe „J&elft mir @ottS ©üte preifen" unb ein jmeiteeünatjt (9?r. 20) mit einem SEonfafce 3of)ann <$xoht&, welcher, ber Anlage jencä erften burcrjineg ftd) anfdjticjknb, nur bie Unebenheiten ju »ermeiben fud)t, bie icir bei tfjm einem üorau«fe|lid) früheren bc$ 9}tei|lerg nod) finben. ©olltc fyiet nid)t ein Seftrebcn bc£ jüngeren S£onf ünfiter^ ju erfennen fenn, ber ©ingroeife fernes Vorgängers mefjr ©ercdjtigfcit trioerfatjren ju laf« fen, als e6 »on biefem in feinen frühem 3at)ren gefdjcijen rear, unb nidjt barin ein mittelbares äeugnifj für beffen Ur= fjebetfetjaft gefunben merben fönnen?

©elegenf)eit$gefdnge, aufjer bem «Seite 119 be§ »orliegenben 2ten Sf)eile§ angegebenen gälte, nur nod) 2 aufft'nben, mo et bergleid)en <5dfce mit geijtlidjen Sexten »erfab, unb ft'e feinen gejtliebern einher* leibte. Da6 im erften Steile berfelben (I. 18) befinblidje Sieb 9>eter £agen§ auf ben Sag ber bjil. brei Äonige: ,,2Bir banfen bir, Qtxx, insgemein für beineä lieben 2Borte§ <5d)ein" ijt ei» nem Sonfa^e unterlegt, ben <Stobdu§ im %at>xe 1612 für bie S3ermdf)lung SJlattbeS Sfebefer'S mit @|tf)er, SBittme ©tabien verfertigt l)atte, ju bem Siebe eineö unbefannten Did)ter§: „2Ba$ ©Ott ber #err in feinem SRatb, ganj munberbar befebjoffen bat." (Iben fo gehört SQlelobte unb &on= fafc beS SSalentin Sf)ilo'fd)en SiebeS auf ba3 geji ber Sßerfünbigung SDiarid: „DieS ijt ber Sag ber gr b 1)1 id) feit, ben ©Ott felbft i>at bereitet" (gejtl. I. 23) urfprünglid) einem für bie 83ermäf)= lung 2Btlfjetm6 üon 3cUen mit £ebn>ig, SBttfme gruben (Ilten gebruar 1619) bejiimmten Siebe: „Die Sieb', ber SB ein, bie f in (Ire SJtadjt" k. (Snblid) lernen mir au§ ber größeren »on ben juoor ermähnten gebrueften «Sammlungen nod) ba3 2ttter be3 ©efange§ fennen, mit roeldjem ©tobduS bie 2lu$gabe feiner geftlieber befd)liefjt: ,,9lun banfet alle ©ott, ber igrof e Dinge tfjut" (nad) ©irad), geftl. II. 35), unb ber f)ier in einjelnem Drude ftd) fmbet. ©tobduS fefcte if>n ju-- folge beffelben für ba§ ^)od)jeitfe(l 3ob,ann ©d)immelpfennig§ mit ©opbie ©djroarj (12. gebruar 1635). 2lud) non 2lrtomebe3' burd) ßccarb gefegtem 5Jleujat)r§liebe ,,9c ad) bem bie ©onn' be = fd)loffen" ic. (Sf)- I. 9er. 150 ber 33eifpiele) fmbet ftd) ein einzelner Drud au3 bem Safyre 1600, bei ©eorg £)fterberger ju .Königsberg erfebjenen, be3 SitelS: ,,©ebetlein Umb ein gnebigeS glüdfeligeS NeroeS 3abr. 3u eijren vnb 83nbertl)änigjlem ©efallen SSnfer £od)lbblid)en ©nebigflen £errfd)aft ber £erfcoge in Greußen, S3nb jf)rer für(tltcb,en ©emafjlen, 2(ud) ber löblichen fürjtlidjen Regierung ic." @S mirb baber in bem Drude »on 1598 (ben ju ermitteln id) fortmdljrenb frud)tlo3 bemüht mar) nid)t enthalten gemefen fepn.

2lufter Demjenigen, ma3 mir über bie Häupter ber $Preufjifd)en Sonfdmle au3 biefen ©amm= lungen lernen, geben un3 namentlich, bie 2Bel)lauer nod) einige achtbare groben t>on ber Äunftfertig- feit anberer in Greußen tbdtt'gen Sonfünjiler, bie mir in unferem ^Berichte über jene ©dmle ju nen= nen biStjer nicht ©elegenbeit bitten. 2Ba§ mir über biefe erfahren, flehe jum ©ebluffe nod) hier, nicht als notbmenbige ßrgdnjung, fonbern alS t)ielleid)t nid)t unmillfommene 3ugabe. 2lm bduftgften (neunmabl) erfd)eint ^)aul@mmeliu§, au§ SDJittenmalbe in ber 5DZarf, alö dantor ber 2llt(iabt Äbnig§berg (1587), im folgenben 3af)re (1588) aud) al6 ßollaborator an ber bortigen ©d)ule; fer« ner in ben Sat)ren 1591, 1592, 1604, 1607, 1608, 1609; jmifdjen biefem Sab« unb 1616 mirb er »on feinen Ämtern abgetreten fepn, benn um 1618 nennt er ftd) nur nod) „Mitbürger ber 2llt= ftabt", unb um 1616 tritt, mab,rfd)einlid) al§ fein unmittelbarer Nachfolger, Sona§ 3ornid)t auS ^obenftein in ^reupen, al$ Santor ber 2llt^abt auf, ben mir als foleben bann in ben Sab^en 1624, 1627 mieberftnben. ^einrieb Sbeoboricuä (Dietrict)?) au§ #aina in Steißen erfebeint 1619 als ßantor ber Äircbe unb @d)ule ju 2bbenid)t, nur biefeö einemabl; eben fo einmabl nur: 3Jitcb.ael SBepba, ©rganift ju Dan^ig (1635); SSJlartin Siap i)un au5 Bommern, Drganift unb <Sd)\iU biener in (Slbing (1616); Soad)im Sang, ßantor ber @d)ule ju eplau in ^reufen, feiner 8Sa= terflabt (1609); imeimaf)l (1604, 1608) Sodann 6 elf d) er, ßonwonift in Sborn. 3116 ßapell* »ermanbten begegnen mir um 1585 bem SSapern ©eorg gurtter, ^gürftlid/er Durd)laud)t in Greußen Senoriften", unb S3artl)olb ©d)ulje (1617), „efjurfürjtl. S5ranbenburgifd)em 9Jluftcuö

unb Snflrumentifjen" ; ofme Angabe tfjver 2eben§fleUung, nur in Greußen tfjätig, unb bort SSon* fdfec in ben £)rucf gebenb, erfebetnen: SSalentin ,£>u3mann (auS ©erbftdbt in ©aebfen) 1598, 1599; ßaSpar #eife, 1611, 1612; Sofjann «PrdtoriuS, au§ Snjterburg in 9>reufHfcb gittf^auen, in ©emeinfebaft mit 2lbrabam Söringf, 1619; enblid) Sacob ©pralbuS „Crosna Silesius" (1627). ;Da§ gemeinfam ^luSjeicbnenbe ber ^reufjifcben Sonfünjller jener Seit (jwifeben 1585 unb 1635) ft'nben wir bei allen tiefen SJJetftern wieber, mefyr ober weniger auSgebilbet; wa§ unS son ben (Sinjelnen unter ihnen hier geboten wirb, i(t tbetlS ju wenig, um über biefe ein felbjtänbigeS Urteil ju fallen, tfjeilS gewährt un§ bie Überzeugung, baß fte allerbingS achtbare, allein nicht üor anbern ausgezeichnete Sonfünftler gewefen ftnb.

©in wichtigeres SBefifcthum ber SBeblaucr mufifaltfdjen SBibltotbef ijt bie $>affton beS ßapell* meiftcrS Sodann ©ebaftiani, beren (Seite 135. 136. 145 biefeS 2ten SEbeiteS twrübergefyenb ge= bacfyt ijt.*) Sie umfaßt bie (Srjdfylung von bem Setben, ©terben, unb SBcgrdbntffe beS £erm, wie ber (Suangelift 9Kattbdu§ im 26fien unb 27flen ßapitel, bis ju beffen 66fiem SSerfe einfcblteßlid), fte tior= tragt, tiefer @"rjdblung gefyt eine furje ©t;mpbonie voran con ben bei ber ^Begleitung beS ©anjen angemenbeten Snfirumenten, 2 ©eigen, 4 SSiolen unb bem ©runbbaffe, ber ft'cb ein f'urjer Stimmiger ßhor anfcbließt, über bie SBorte: „>£>oret baS Serben unb ©terben unfereS £(5rrn Sefu (Sfyrifti nach bem heiligen Sttattbdo." ©efchloffen wirb baS ©anje jundebft bureb ein, in ähnlicher 2trt vorgetragen neS £>anfgebet: ,,£>anf fei bem SQdxxn, ber unS erlofct t>at bureb fein üewben von ber gellen"; fobann burd) ein ,,£)anffagungS = ßiebeben für baS bittere Serben Sefu (Shrifti, weldbeS nach, ber 9)rebtgt, ganfc jum SBefcbluß, nad) ben ßollecten fann gefungen werben: SBaS foll id) liebfter Sefu bir ic." von 5 ©tropben, beren erfte vier bie Dberjttmme allein mit ^Begleitung ber 4 tiefen S3iolen ju fingen bar, bie 5te aber von allen ftngenbcn unb flingenben Stimmen auszuführen ijt. 3njtrumen= talfvmvfyonicen fefyren nur 2mabt wieber : hinter §3. 37 beS 26|ten ßavitelS, unb an bcjfen ©ebtuffe, nad) $)etruS' 9feue über feine SScrleugnung beS £errn, hinter ben SBorten: „Unb weinte bitterlich,." £>ie Csrjdblung beS dvangeltften , mebr art'cn()aft als eigentlich recitativtfd) gehalten, wirb bei hervor« tretenben ©teilen, tbeilS burdb bie beiben ©eigen unb eine SBaßviole, tbeilS bureb 3 SSiolen begleitet; fo aud) bie 3?eben beS ^)errn unb ber SDtttfyanbetnben. gür bte f. g. Turbae werben ffcetä alle 3nflru= mente angewenbet.

2)ie eingeflreuten (Sftoralüerfe , beren 2lnwenbung bei bem nad) l)erfömmlid)er SBeife gefun? genen Vortrage ber £eiben§gefd)id)te mir jum erftenmabje t)ia »orgefommen tft, wiewohl '#fmlid)e§ in gleichem ©inne früher febon bureb ^ammerfebmibt gefebeben war, werben nur »on ber Dber(!imme ju ber 93eg(ettung oon 4 tiefen SSiolen gefungen. @3 jeugt won ber fortwdl)renben SSerebrung weldje Crccarb, mehr alö ein halbe§ Sabrbunbert nach feinem S£obe, in .Königsberg genoß, baf? bte 9Kelobieen jener lieber, fo weit tiefer SÖZeijter fte in feinen ßljoralgefdngen gefegt bat, l)ier burcbauS mit feinen Sonfäfcen erfdjeinen, mit alleiniger 3luSnabme »on ber beS SiebeS: „£) 2amm ©otteS unfdjulbig"

*) 3f)t »oUflä'nbiger Sitct tautet : Cet;bcn unb (Sterben unferS Q&mWUl unb ^etjlanbcS 3cfu ^rt'ftt, 3n eine recitirenbe Harmoni »on 5 ftngenbcn unb 6 fpictenben Stimmen, nebft bem Basso continuo gcfefcct, SBorinncn ju Grmectung mctjret Devotion untcrfdjicbtictje SBerfe auä benen gcrcofjnlidjen Äirdjen^Ciebcrn mit eingefütjret, unb bem Serie aecomodiret roorben, con @r. 6f;urf£. 2)urc^t. S5ranbenb. beftaltem 6apcU;SOceifter in ^reupen, Johanne Se- bastian», Vinariä Thuringo. Äönigöberg , ©ebruert buret) grtebritt) SReußnern 1672, in SSertcgung beS 2tutoril.

unb ber 4 erften Seilen ber Sßeife be§ 2fbenbmabl§liebe5 : „©Ott fei gelobet unb gebcnebeiet", welche ©ebafiiani neu gefefct bat, eben wie bt'e bei ©ccarb nieb t »orfommenben ber Sieber : „3n bieb bab' id) geboffet £err (£err meinen ©eift befebf id? bir)" unb „£) SEraurigfeit, o £er$eleib", »on benen bie erfte, ber gebräuchlichen jltrchenweife nidjt übereinftimmenbe, aud> t>on ihm neu erfunben ju fepn febeint. 2)iefe Sieber finb ofme 2tueSnabme an ben fcbicflicbjlen Srten etngefdjaltct. So folgt unter anbern ben ©orten (jülattb. XXVI. 36) ,,bafj id; bort hingehe unb bete", ber 33er3: „33ater Unfer im Himmelreich,"; jenen anbern: (6bb. SS. 42) „fo gefebebe bein SBitle" ber folgenbe, 4te be§ gebaebten SiebeS: „£ein SBiU' gefebeb, iperr ©Ott, jugleicb"; bem wilben 3?ufe: (@bb. 66.) „Gr ift bc§ SobeS fcbulbig" ta§ SSetlieb: „D Samm ©otteS unfcbulbig" u. f. w. £ie 3£uäfüf)runcj bei bem ©otteSbienfie be§ ßbarfreitagä wirb obne ßweifel einen ernften, würbigen Cnnbrucf hinten laffen haben; ber SReifter bemerft: nach bemSSerfe: „Erbarm bieb mein o $erre ©Ott" (am Scbluffe »on SDRattb. XXVI. 75) unb bem 3ten be§ SiebeS ,,.£> Samm ©otteS unfcbulbig" ber ben SSorten (SSKattb. XXVII. 31) ,,unb fübreten ibm bin, bafj fte ibn freujigten" ft'cb unmittelbar anfcbliept, fei gewöhnlich gemefen, bafj ber ©eijilicbe, »or ben 2tttar tretenb, einen 9)affton§tert t-crlefen habe, wabrfcbeinlid) auS ben ^Pfatmen ober bem SefaiaS, bie SBeiffagungen be3 alten S3unbe§ fo in S3erbinbung bringenb mit ber ecangeltfcben Grrjäblung, beren ©egenffanb ber Sonfünfiler ben ^)brern als ein eben ©egenwärtigeS »or bie ©eele führte. £>iefe SSebanblungSweife, bureb welche bie fpdteren 9Jieijier ber ^)reupifd)en Sonfcbule, bie 23erebrung gegen ihr #aupt treu bewahrenb, bod) nun auch eingetreten waren in bie neue Dichtung geiftlicber SEonfunft, febeint Sebaftiani mit befonberer 23orliebe geübt ju baben; er febreibt am ©cbluffe feines SSorwortS „tfn ben günftigen SERufic = liebenben greunb unb Directorem: 2fuf biefe recitirenbe unb bergleicben nach heutiger 9Ra; nier eingerichtete, auch mit .Kirchen = Siebern aufgekehrte Concert-tfrt habe ich burcbS ganfce %afyt, fowobl auf (Sonn = alS gefttage, in beutfeber «Sprache bie Evangelia gefefjet. SBenn ftch. nun ein Siebhaber jum S3erleger finben wollte, mochte ich ß*/ ©£££ ju ßhren unb ber Äirchen jum SSeften gern heraufgeben" tc.

Zugeeignet ift ba§ SZBerf, ohne £age§ unb Sah^^S0^^ ^em großen Gr)urfürfien, Sriebricb SStlbelm, unb befungen burch eine Dichterin, für beren Sieber Sebaftiani furj barauf SO^efobieen unb Sonfäfce erfanb: ©ertraut Sftöflerin, geborne (üiflertn.

Grnblich gewährte mir 2Bef)lau, waö ich in 25eutfcblanb t»ergeben§ gefudjt hatte: bie eigene flnfehauung t»on Sohann Martin 3?ubert§ 9Jiuftfalifd;er ©eelenerquicfung.*) £>iefe3 SSerfchen enthält 12 ©efänge, einen ju einer Stimme, 6 ju beren jwei, 4 ju treten, unb einen iMerjlimmigen, mit Snftrumentalbegleitung, meifl »on ©eigen, benen nur juweilen ein Sagott, unb ein ober jwei Sinfen hi"5"treten. 83on ben in Jlittnerä SSecferlein aufgenommenen Siebern Huberts ift hier feines ju finben. 3n feiner SBibmung: ,,2tn ben !unftliebenben Stufte *§reunb" fagt ber SKeifter: „bie öieler "Xxtf) fdjbner Serten , fo »on fjteftgcn SDrtt)6, al§ auch anbern ©otte§gelahrten Männern in

') 25er oollftänbige Sitel biefe€ SBetfcS lautet: SÄuf ica t if dje ©eclen - ßrq ut cEuna. , 2fup ^oc%ge= latjrter Sttä'nner 'Prebigten entlehnt, unb mit 1. 2. 3. 4 Vocal-Stimmen, unb 2. 3. K. 5. C 3n|trumcntcn, nebft bem Basso Continuo auf befonbere Dialogen-2trtt) gefe|ct, 25on Sotjann SWartin Siubert con Dürnberg, Musico unb bejtaltem Crganijtcn bet ^)aupt:Äitc^en S. Nicolai in ©tralfunb. ©tratfunb, 3n SScrlegung beS Autoris, ©ebrutft iafelbjt bureb, 3oac^im SReumann, 3m 3af)re 1664.

jfyrm ©eiflreicben gjrebigten gebrauter, fyabm mid) baju angefrifdjet", unb man wirb allerbingS na« mentlid) an Silben: burd) bie 2Crt erinnert, wie Sfubert bie SBorte für feine ©efänge geroäblt unb ge« orbnet t)at. 33alb flet>t ein ©prudb. ber ©d)rift in ber SDtitte feineS SSonfafceS, burdjwoben mit ©e* fallen geifttieber ßieber, ober and) nur frommen SJeimjeilen; balb fled)ten ftd> ©cfyriftfprüdbc jwifcfyen bie 3eilen ber ©tropbe eines gejlltebeä, balb bietet er einen einfachen Äranj frommer reimlofer ©prücfye, ober läfjt »on foldben einen Senfreim umfranjen, wie

Sfübmen, richten, rächen, ratzen,

finb alleine ©otteS Saaten. 2Ba£ mir burd) £ammerfd)mibt angebahnt faben, fefct ft'd? bei if)m in eigentümlicher SGBeife fort, burebgängig in ber gorm beS geifllid)en (SoncertS bei ben ©prüfen, ber geijilicben 2trie bei ben ßiebfhopben unb 9?eimjeilen. ©ewibmet t)at er fein SGBcrf SSürgermeijiern unb Statt) 9lürnberg§, feiner ©eburtSftabt ;